Kleines liturgisches Wörterbuch
KLEINES LITURGISCHES WÖRTERBUCH
Abkündigungen: Mitteilungen im Gottesdienst. Sie betreffen: a) Hinweise zum Gottesdienst, b) Einladungen zu Gemeindeveranstaltungen, c) Kirchliche Verlautbarungen, d) Bekanntgabe von Amtshandlungen (Taufen, Trauungen, Beerdigungen), verbunden mit Fürbitten, e) Bekanntgabe von Kollektenergebnissen und -zwecken.
Absolution: Zuspruch der Vergebung nach einem Sündenbekenntnis (auch: Lossprechung)
Accentus: liturgischer Sprechgesang auf einem "Rezitationston" mit melodischen "Interpunktionsformeln", Gegensatz: ☞ Concentus
additiv (lateinisch, "hinzugefügt"): Wiederholung eines liturgischen Stückes durch eine andere Gemeindegruppe in anderer Form. Beispiel: das Glorialied der Gemeinde nach dem Gloria des Chores, siehe auch: substitutiv, alternatim
Agape: "Liebesmahl", frühchristliche gemeinsame Mahlzeit in Fortsetzung der Tischgemeinschaft Jesu mit Jüngern, Pharisäern, Zöllnern usw. Zu unterscheiden vom Abendmahl, das die einzigartige Gründonnerstagsmahlzeit Jesu mit den Jüngern fortsetzt. Beide Mahltraditionen können sich aber – etwa beim Tischabendmahl – miteinander verbinden. Dies war sogar der ursprüngliche Zustand: Abendmahl mit Sättigungsmahl zur Zeit der antiken Hauptmahlzeit, also abends. Im zweiten Jahrhundert wurde dann das "Abendmahl" als Sakrament vom Sättigungsmahl getrennt und auf den Vormittag verlegt. Am Abend blieb (bis ins 7. Jahrhundert) die Agape. Viele Mahlformen in "Gottesdiensten in neuer Gestalt" sind eher Agapen als Abendmahlsfeiern.
Agende (lat., "was zu handeln ist"): ursprünglich Buch für den Liturgen mit der Gottesdienstordnung und allem, was Liturg/in zu sagen und zu singen hat. Es hat kirchenrechtliche Verbindlichkeit. Nach neuerem Verständnis gilt das vor allem für die Grundform und die liturgischen Kernstücke. Sie geben den Rahmen für eine verantwortliche Gestaltung des Gottesdienstes als Gottesdienst der Gemeinde Jesu Christi und in Verbundenheit mit der Christenheit in aller Welt. In manchen Kirchen heißt die Agende auch "Kirchenbuch".
Agnus Dei (lat., "Lamm Gottes"): ein Abendmahlsgesang, der seit Beginn des 8. Jahrhunderts die Austeilung eröffnet.
Akklamation (lat, "Zuruf", "Beifallsruf'): kurzer Gemeinderuf, z. B. „Amen" oder "Lob sei dir, Christus"
Albe (von lat. alba [tunica] = die weiße [Tunika]): das weiße Gewand, welches sich aus der antiken Tunika als profaner Feiertagskleidung entwickelte: ein mit engen Ärmeln und einem Durchschlupf für den Kopf versehenes, vorn geschlossenes, sackartiges Gewandstück. Von Klerikern aller Rangstufen getragen, von den höheren auch unter der ☞ Kasel. Eine besondere Form ist der Chorrock (superpellizeum [lat.] "über dem Pelz zu tragen"), den in verschiedenen Landeskirchen auch evangelische Liturgen bei Abendmahl und Amtshandlungen über den Talar anziehen Weitere Varianten in der Ökumene: die Dalmatik der Diakone mit farbigen senkrechten Streifen und die Tunizella der Subdiakone, eine noch etwas schlichtere Form.
Allgemeines Kirchengebet: das Gebet nach dem Dankopfer, vor dem Abendmahl bzw. (wenn kein Abendmahl gefeiert wird) vor Vaterunser, Sendung und Segen. "Allgemeines Gebet" nennt es schon Bischof Cyprian im dritten Jahrhundert, weil hier die Anliegen der allgemeinen Kirche über die Einzelgemeinde hinaus zur Sprache kommen. Inzwischen bürgert sich der Ausdruck "Fürbittengebet" ein, weil außer für die Kirche auch für die Welt gebetet wird.
Altar: Ursprünglich und eigentlich der Abendmahlstisch für den christlichen Gottesdienst. In der Alten Kirche begann man Altäre über Märtyrergräbem zu errichten. Davon blieb der römisch-katholische Brauch, im Altar eine Reliquienkapsel unterzubringen und ihn dadurch wie auch durch eine feierliche Weihe zu einer heiligen Stätte zu machen. Seit dem hohen Mittelalter errichtete man auf der Rückseite des Altars einen mit bildender Kunst geschmückten Aufsatz ("Retabel"). Dadurch war es dem Liturgen nicht mehr möglich, hinter dem Altar, der Gemeinde zugewandt, zu amtieren. Wo der Altar heute wieder freisteht, sollte diese Stellung neu angestrebt werden. Im evangelischen Verständnis ist der Altar, abgesehen vom liturgischen Geschehen, kein besonders heiliger Ort. Als "Tisch des Herrn" (1. Korinther 10,21) ist er ein Sammelpunkt für die Gemeinde.
alternatim (lat., "abwechselnd"): Ausführung eines liturgischen Stuckes gemeinsam und abwechselnd. Beispiele: strophenweiser Wechsel von Chor und Gemeinde bei einem Lied oder von Bläsern und Orgel bei der Liedbegleitung, siehe auch: additiv; substitutiv.
Alttestamentliche Lesung: (abgekürzt: AT-Lesung) Eine Lesung aus Schriften des Alten Testaments neben ☞ Epistel und ☞ Evangelium war in den Gottesdienstordnungen der Alten Kirche fest verankert. Sie ging aber im» abendländischen Mittelalter nahezu verlören. Nur an wenigen Tagen (Epiphanias, Aschermittwoch, Karfreitag) trat sie an die Stelle der Epistel. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben viele Kirchen die AT-Lesung zurückgewonnen. Die römisch-katholische Liturgiereform machte einen Anfang. Seit 1978 haben auch die evangelischen Kirchen in Deutschland eine AT-Lesung für jeden Sonn- und Feiertag.
Ambo: erhöhter Platz zwischen Altar und Kirchenschiff, an den Chorschranken bzw. dem Lettner, für Lesungen und Predigten (Bischöfe predigten allerdings von ihrer Kathedra aus); auch zu Fürbitten und für die Gesänge des Kantors/ der Kantorin; der Höhe nach in der Mitte zwischen ☞ Lesepult und ☞ Kanzel, die sich aus dem Ambo entwickelt haben: das Lesepult durch Erniedrigung und Spezialisierung auf die Lesungen; die Kanzel durch Erhöhung und Spezialisierung auf die Predigt. Im Mittelalter begegnen gelegentlich zwei Ambonen, ein höherer für das Evangelium, ein etwas niedrigerer für die Epistel. Der Name Ambo erklärt sich aus dem griechischen Wort für "hinaufsteigen" (anabainein).
Anamnese (griech.. "Erinnerung"): Gebet in der Abendmahlsliturgie ("das tut zu meinem Gedächtnis"), das der Heilstaten Christi im Zusammenhang der Einsetzungsworte gedenkt
Antependium (lat., "Vorhang"): vor Altar, Kanzel, Lesepult, heute in der Regel textil und in den wechselnden Kirchenfarben, z. T. mit der Kirchenjahreszeit entsprechenden christlichen Symbolen versehen. Schon seit karolingischer Zeit begegnen auch Altar-Antependien aus Edelmetall oder bemaltem Holz.
Antiphon (griech., "Gegengesang"): ein Gesang, der eine Psalmodie refrainartig umrahmt, evtl, auch unterbricht, auch Leitvers genannt; der Text kann aus dem Psalm oder nach dem De tempore ausgewählt sein.
antiphonal (griech., "gegeneinander klingend"): Ausführung eines Gesanges im Wechsel zweier Chorhälften, siehe auch: responsorial
Austeilung: von Brot und Wein beim Abendmahl. Alter, aus dem Lateinischen abgeleiteter Begriff: "Distribution"
Bahnlesung: Lesungsordnung, bei der Texte in der Reihenfolge der biblischen Bücher, jedoch mit Auslassungen, gelesen werden; ohne Auslassungen: ☞ Lectio continua.
Basilika: Die römische "Königshalle" war ein rechteckiges einräumiges Repräsentationsgebäude, das dann auch außerhalb von Residenzen als öffentliches Versammlungsgebäude errichtet wurde. Die Christen übernahmen die Gebäudeform und entwickelten sie weiter. An der östlichen Schmalseite bekam sie später eine Erweiterung, den Chor mit halbrundem Abschluss (,Apsis“), wo der Klerus am Altar amtierte. Auf der westlichen Schmalseite war das Hauptportal. Oft diente gleichsam als Schleusentor zur Welt eine Vorhalle, der "Narthex".
Benedicamus: ☞ Entlassung
Cantio (lat., "Gesang"): das einstimmige spätmittelalterliche Kirchenlied in lateinischer Sprache, volksnah und liturgisch ungebunden, einer der Wegbereiter des evangelischen Kirchenliedes
Chor: a) die liturgische Gesangsgruppe;
b) die Erweiterung der basilikalen Kirchbauform im Osten (☞ Basilika)
Choral: meint ursprünglich den abendländischen einstimmigen Kirchengesang in annähernd gleichen Notenwerten, der auch ☞ Gregorianik genannt wird, später (seit Ausgang des 16. Jahrhunderts) wird auch das evangelische Kirchenlied so genannt.
Chorrock: ☞ Albe
Communio (lat., "Gemeinschaft"): zunächst Bezeichnung der Abendmahlsausteilung als Gemeinschaft mit Christus und mit den andern "Kommunikanten", davon abgeleitet Name des die Austeilung begleitenden Psalmgesangs
Concentus: liturgischer Gesang mit ausgeprägten Melodien; im Gegensatz zu dem rezitativischen Sprechgesang des Accentus, beide Begriffe zuerst bei dem Musiktheoretiker Omithoparch (Micro-logus 1517)
Confiteor (lat., "Ich bekenne"): das Sündenbekenntnis
Credo (lat., "Ich glaube"): das Glaubensbekenntnis der Kirche (Apostolikum, Nizaenum)
Dalmatik: ☞ Albe
Detempore: ☞ Proprium de tempore
Diakonisches Gebet: Die Form 2 des Fürbittengebets: Einer Ankündigung bestimmter Gebetsinhalte, die sich an Gott oder an die Gemeinde richten kann, folgt jeweils ein entsprechendes Gebet (Reihungsform), abgeschlossen mit dem Amen der Gemeinde. Am Ende steht ein ☞ doxologischer Abschluss.
Distribution: Austeilung (des Abendmahls)
Doxologie (griech., "Lobpreis"): a) Abschluss von Gebeten, z. B. beim Vaterunser "Denn dein ist das Reich"; b)der Gesang des "Ehre sei dem Vater", lat. Gloria Patri (kleine Doxologie); c) der Gesang des "Ehre sei Gott in der Höhe", lat. Gloria in excelsis Deo (große Doxologie)
doxologisch: in der Form der ☞ Doxologie
Ektenie: Bezeichnung für die Form 1 der Fürbitten. Liturg/in, Lektor/in (Diakon/in) nennt die Gebetsanliegen, die jeweils von der Gemeinde in dem Gebetsruf "Herr, erbarme dich" (Kyrle eleison) aufgenommen werden. Der Name stammt aus der griechischen Liturgie und bedeutet "Ausbreitung" (nämlich: der Hände).
Elemente: Brot und Wein beim Abendmahl Elevation: das Hochheben und Zeigen der Elemente beim Abendmahl nach der Konsekration, schon in der Alten Kirche; in der katholischen Kirche läutet dazu ein Glöckchen; in der Reformation umstritten wegen der – von den Reformatoren abgelehnten – Möglichkeit der Verehrung der Elemente als Leib und Blut Christi.
Entlassung: Seit der Agende I wird damit die liturgische Aufforderung "Geht hin im Frieden des Herrn!" bezeichnet. Sie geht dort dem Segen voraus und wird so zu einer einleitenden Interpretation desselben. In der römischen Messe dagegen folgt die Entlassung logischerweise auf den Segen, sodass ihr unmittelbar entsprochen werden kann. Das Evangelische Gottesdienstbuch ermöglicht beide Alternativen. Die Gemeinde antwortet auf die Entlassung mit einem Lobpreis ("Gott sei Lob und Dank"). Dies hängt mit einem Alternativtext für die Entlassung zusammen, der seit dem Mittelalter außer bei den ☞ Tagzeitengottesdiensten auch in der Messe und auch in Agende I begegnete: Benedicamus Domino – "Lasst uns den Herren preisen", was die Gemeinde dann in aller Kürze tat.
Epiklese (griech., "Anrufung"): Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Abendmahlselemente zwecks ☞ Konsekration, mittelbar dann auch auf die Kommunikanten; die Deutung als Herabrufung unmittelbar auf die Gemeinde ist erst im Protestantismus zu finden.
Epistel: eigentlich Lesung aus der Briefliteratur des Neuen Testaments. Nachdem die Lesungen auf zwei, genannt "Epistel" und "Evangelium", reduziert wurden, konnte als "Epistel" jeder biblische Text außerhalb der Evangelien bezeichnet werden (z. B. die Pfingstgeschichte). Dieser Sprachgebrauch ist aber heute überholt.
Eucharistie (griech., "Dank"): alter Name für die Abendmahlsfeier, der in der Ökumene weit verbreitet ist. Für ein evangelisches Abendmahlsverständnis ist es dabei wichtig, ob das Danken, die "Eucharistie", in den Abendmahlsgebeten und -gesängen vollzogen wird – im Zusammenhang des Empfangens der Abendmahlsgaben und des von ihnen symbolisierten Heils – oder ob eine "Darbringung" der konsekrierten Elemente als "Eucharistie" verstanden und vollzogen wird ("Opfermesse"). Dieses zweite Verständnis ist evangelischem Verständnis nicht möglich, weil Christus im Abendmahl immer "Geber und Gabe zugleich" ist und bleibt. Hingegen ist es angemessen, für die Gaben Christi in Gebet und Lobgesang zu danken und insofern das Abendmahl mit jenem ökumenischen Namen als "Eucharistie" zu bezeichnen.
Evangelium: liturgische Lesung aus den biblischen Evangelien
Feierabendmahl: eine offene Gottesdienstform nach Grundform I (Messe). Erstmals gefeiert auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg 1979.
Friedensgruß: In der Urkirche und der Alten Kirche begrüßten sich die Gottesdienstteilnehmer zu Beginn des Abendmahlsteils mit einem "heiligen Kuss" (lat. os-culum pacis) (Römer 16,16, 1. Korinther 16,20, 2. Korinther 13,12, 1. Thessalonicher 5,26). Eingeleitet wurde der Kuss durch einen zwischen Bischof und Gemeinde ausgetauschten Friedensgruß ("Der Friede des Herrn sei mit euch allen" – "und mit deinem Geist"). In der abendländischen Christenheit blieb nur noch der Gruß und verlagerte sich vor den Beginn der Austeilung. In den neueren Gottesdienstreformen der katholischen und evangelischen Kirche wird der Friedensgruß wieder durch ein Friedensreichen“ ergänzt, dessen Gestaltung (Kuss, Umarmung, Handschlag) variabel ist.
Fürbitten: ein Gebet "für" andere. In der Alten Kirche gab es Fürbitten für die vor dem Abendmahl zu entlassenden Gottesdienstteilnehmer, für die Gläubigen und die Kirche, für den Staat und die Welt. Fürbittengebete kommen in allen Gottesdienstarten vor. Eine ältere Bezeichnung ist ☞ "Allgemeines Kirchengebet".
Gloria in excelsis (lat.): "Ehre sei Gott in der Höhe" (☞ Doxologie)
Gloria Patri (lat.): das "Ehre sei dem Vater" (☞ Doxologie)
Gnadenspruch: in der unierten Liturgietradition eine gesprochene Einleitung zum Gloria in excelsis, welche zu einem Sündenbekenntnis vor dem Kyrie (siehe: Rüstgebet) in Beziehung steht und den Übergang vom Kyrie zum Gloria zu vermitteln sucht
Gregorianik: der abendländische einstimmige liturgische Gesang, wie er sich im Mittelalter ausbildete, genannt nach Papst Gregor dem Großen, unter dessen Pontifikat um 600 in der römischen Choralschola (☞ Schola) eine Reform des Kirchengesangs stattfand
Grundform: Schon früh hat sich für den christlichen Gottesdienst am Sonntagmorgen ein Grundverlauf ausgebildet, für den die Verbindung von Verkün-digungs- und Abendmahlsgottesdienst konstitutiv ist. Später wurde er mit einem eröffnenden Anrufungs- und einem abschließenden Sendungs- und Segnungsteil erweitert. Charakteristisch für diese Grundform sind außerdem liturgische Gesänge. Im späten Mittelalter bildete sich mit dem Prädikantengottesdienst eine zweite Grundform heraus. Der Grundform I ("Messtyp") folgen die orthodoxe, römische, anglikanische und evangelische Messe. Die Grundform II fasste zunächst vor allem im Calvinis-mus und im evangelischen Südwestdeutschland Fuß, später (neben Grundform I) auch im übrigen Protestantismus (sie entspricht zudem in etwa dem römisch-katholischen "Wortgottesdienst"). Sie kann mit einer schlichten Abendmahlsliturgie (mit Betrachtung und Gebet) verbunden werden, wie sie sich ebenfalls im Calvinismus und Südwestdeutschland (zunächst nach dem Predigtgottesdienst gefeiert) entwickelt hat. Im Evangelischen Gottesdienstbuch stehen beide Grundformen gleichberechtigt nebeneinander.
Halleluja (hebräisch, "Jubelt Jahwe"): der in den Psalmen ertönende Lobruf begegnet auch in der Offenbarung des Johannes (Kap. 19,4 und 6) und wird in der Alten Kirche zum Kirchengesang. Er wird in der Vollform zum Rahmenvers für einen psalmodischen Halleluja-Vers. In der Gregorianik ist das Halleluja ein koloraturenreicher Gesang, in der evangelischen Kirche meist nur ein drei- bis vierfacher Halleluja-Ruf nach der ersten Lesung. Er fallt in der Passionszeit und an Bußtagen wegen seines österlichen Charakters aus. Der Ergänzungsband bietet für diese Zeit andere kurze Antwortrufe nach der Lesung an.
Hauptgottesdienst: in der evangelischen Liturgik alter Begriff für den zentralen Predigt- und Abendmahlsgottesdienst, der vor allem am Sonntag gehalten wird. Er verläuft nach ☞ Grundform I oder II.
Hostie (lat., "Opfertier", "Opfergabe"): das Abendmahlsbrot. Im Abendland ungesäuertes, in der Ostkirche gesäuertes Brot; im Abendland seit dem 9. Jahrhundert in der heute noch gebräuchlichen runden Form, auch Oblate genannt.
Hymnologie: im weiteren Sinne die Lehre vom Kirchengesang schlechthin, im engeren Sinne die Kirchenlied- und Gesangbuchkunde. Sie ist insofern eine interdisziplinäre Wissenschaft, als sie sowohl zur Theologie als auch zur Literatur- und Musikwissenschaft gehört.
Intonation: Anstimmen eines Gesanges durch einen Liturgen, Vorsänger oder die Orgel; entweder eine vorbereitende Musik oder der solistische Vortrag des Gesangsanfangs selbst, wonach dann die Gemeinde (oder der Chor) fortfährt.
Introitus (lat., "Eingang" im Sinne von "Einzug"): ursprünglich Eingangspsalm des Chores. Im weiteren Sinne kann jeder Gesang zum Eingang so bezeichnet werden.
Kantionale (lat., "singbar"): liturgisches Gesangbuch des Chores
Kanzel: der erhöhte Ort für die ☞ Predigt. In der Alten Kirche predigte der Bischof von seiner Kathedra in der Apsis aus, der Presbyter vom ☞ Ambo. Freistehende Kanzeln (von lat. cancelli = Chor-Schranken) mit einem akustisch bündelnden Schalldeckel entwickelten sich erst im Mittelalter. Sie wurden ebenso wie hinaufführende Wendeltreppen oft künstlerisch reich ausgestaltet. Eine protestantische Entwicklung war der Kanzelaltar als Verbindung von Predigt und Abendmahlsfeier, die als Grundelemente des Gottesdienstes (bei symbolischer Überordnung der ersten) galten.
Kasel (lat., "Hüttchen"): Das liturgische Obergewand des Zelebranten (= leitenden Liturgen) in der Messe, das also über der Albe getragen wird. Ursprünglich ein etwa kreisrunder Stoff mit Öffnung in der Mitte, der, über den Kopf gestülpt, den Körper wie eine Hütte umgibt (daher der Name). Wird seit der Reformation auch von den skandinavischen Lutheranern gebraucht. Neuerdings wird sie dort z. T. durch einen schlichten wollenen Überwurf in den Kirchenjahrsfarben ersetzt.
Kirchen(jahres)farbe: ☞ liturgische Farben. Kirchenjahr: der kirchlich-liturgische Jahreszyklus, neben dem "bürgerlichen Jahr". Im Unterschied zu diesem ist das Kirchenjahr (abgesehen vom Weihnachtsfest) nicht auf feste Kalenderdaten fixiert. Es entwickelte sich als Erweiterung eines Wochenzyklus mit dem Sonntag als "Herrentag" (lat. Dies Dominica) und Auferstehungsfeier als Anfangs- und Höhepunkt. Insofern steht Ostern im Zentrum des Kirchenjahres. Ostertermin ist für die abendländische Kirche der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang (dieser datiert auf den 21. März). Frühester Ostertermin ist also der 22. März, spätester der 25. April. Um das Osterfest bildet sich einer der beiden Festkreise mit einer vorbereitenden Fastenzeit (heute: Passionszeit), einer nachfolgenden "Freudenzeit", die bis Pfingsten reicht, und der mit dem Trinitatisfest beginnenden Trinitatiszeit. Deren letzte drei Sonntage fallen nie aus; sie sind vom Ausblick auf die Endzeit geprägt. Der zweite Festkreis bildet sich um das Weihnachtsfest, das nach abendländischer Berechnung auf den 25. Dezember fallt. Voraus geht (ursprünglich als Fastenzeit) die vierwöchige Adventszeit, es folgt die Weihnachts- und Epiphaniaszeit. Vom Kirchenjahr zu unterscheiden sind die – mit festen Kalenderdaten verbundenen – "unbeweglichen Feste und Gedenktage" und "besondere Tage und Anlässe", die nicht zeitlich festgelegt sind. ☞ Liturgische Farben
Kollekte (lat., "Sammlung" oder "Zusammenfassung"): a) Geldsammlung während des Gottesdienstes, auch Dankopfer; b) das ☞ "Kollektengebet"
Kollektengebet: alter Name für das Tagesgebet. Zu der knappen und strengen Form siehe Einleitung zu den Tagesgebeten im Gottesdienstbuch.
Kommunion (lat., "Gemeinschaft"): a) das Abendmahl; b) die Austeilung beim Abendmahl
Konsekration (lat., "Heiligung"): Die katholische Kirche bezeichnet so jede Weihe von Personen und Sachen, im Besonderen die Wandlung ("Transsubstantiation") von Brot und Wein in Leib und Blut Christi durch Rezitation seiner Einsetzungsworte. In der evangelischen Kirche ist die "Konsekration" auf die Wirkung der Einsetzungsworte eingeschränkt, die die Elemente als Ort der Gegenwart des sich schenkenden Christus ("in, mit und unter" Brot und Wein) deuten und proklamieren – nach Luther in der Weise der Evangeliumsverkündigung.
Kyrie eleison (griech., "Herr, erbarme dich"): Gesang und Gebetsruf, zunächst in ☞ Litaneien und Fürbitten, später auch verselbstständigt zu einem Teilstück des Anrufungsteils
Lectio continua (lat., "fortlaufende Lesung"): aus den biblischen Büchern, über mehrere Gottesdienste hinweg. Wenn dabei einzelne Verse oder Abschnitte ausgelassen werden, spricht man von ☞ "Bahnlesung".
Lektionar (lat., "Buch der Lesungen"): durchs Kirchenjahr, gehört auf das Lesepult
Lektor(in): (lat., "Vorleser"): Gottesdiensthelferin) für die Schriftlesungen und andere Aufgaben. Besonders ausgebildete Lektoren und Lektorinnen halten selbstständig Gottesdienste mit Lesepredigten.
Lesepult: Ablage für das Lektionar, die Abkündigungen und für schriftlich formulierte Fürbitten. Folglich werden Schriftlesungen, Abkündigungen und Fürbitten von dieser Stelle aus gehalten. Das Lesepult hat sich aus dem ☞ Ambo entwickelt.
Lied des Tages: ☞ Wochenlied.
Litanei: längeres Gebet, in dem das Kyrie durch zahlreiche Bittrufe entfaltet wird. Luthers Bearbeitung einer Litanei findet sich im EG Nr. 192.
Liturgie (griech., "Dienst"): der Gottesdienst als öffentlicher Dienst vor und für Gott, als Dienst am Nächsten und als gemeinsame, geordnete Feier der Christen. Das ursprüngliche griechische Wort meinte Dienstleistungen für die Gesellschaft als Ehrenpflicht freier, wohlhabender Bürger. Das Neue Testament bezeichnet als Liturgie sowohl den jüdischen Tempelgottesdienst (Lukas 1,23) als auch den Einsatz des Christenlebens für Christus und die Mitchristen (vgl. Phil 2,17,2 Kor 9,12). Die Einschränkung des Begriffs Liturgie allein auf den liturgischen Gesang ist ein modernes Missverständnis.
Liturgik: Gottesdienstkunde, Lehre vom Gottesdienst
Liturgische Farben: nach dem Kirchenjahr verschiedene Färbung der liturgischen Gewänder, der Kanzel- und Altarbehänge (☞ Antependium) und anderer Textilien. Das Evangelische Gottesdienstbuch nennt folgende Kirchenfarben:
- Weiß: Christusfeste, auch für Christi Vorläufer Johannes den Täufer und für seinen Vorstreiter, den Erzengel Michael
- Violett: Fasten- und Bußfarbe, v. a. in der Vorbereitungszeit vor Weihnachten (Adventszeit) und vor Ostern (Passionszeit)
- Rot: Farbe des Heiligen Geistes, der Gedenktage der Apostel, Märtyrer, Glaubenszeugnisse, Kirchweihe und für die Konfirmation
- Rosa: eine der alternativen Farben (neben Violett) für den 4. Sonntag im Advent (Gaudete) und für den 4. Sonntag der Passionszeit ("Lätare"). Dieser wurde im mittelalterlichen Rom als "Rosensonntag" begangen, mit Rosenschmuck auf den Altären. Alte Frühlingsriten mögen dabei eine Rolle spielen. Vor allem aber: Als Mitte der Passionszeit (früher: Fastenzeit) wurde dieser Sonntag als Vorahnung von Ostern und so gleichsam als Durchatmen inmitten des Fastens verstanden und ausgeschmückt.
- Schwarz: Karfreitag; außerdem allgemein für Zeiten und Anlässe des Totengedenkens
- Grün: für die übrige Kirchenjahreszeit. Vgl. auch: Symbole, liturgische Farben in der Einführung "Zur Feier des Gottesdienstes" (S. 29 f.)
Messe (vom lat. Schluss der katholischen Messe Ite missa est = "Geht, man entlässt"): Verbindung von Wort- und Sakramentsgottesdienst in der im Laufe der Kirchengeschichte gewachsenen Form, die auch unsere Gottesdienstordnung nach Grundform I kennzeichnet. Man unterscheidet Katholische Messe und Evangelische Messe (auch: Lutherische Messe, da die Gottesdienstordnung in reformierter Tradition hiervon abweicht).
Musica sub communione: lat., "Musik zur Austeilung des Abendmahls"
Narthex: ☞ Basilika
Offene Schuld: Allgemeine Beichte der Gemeinde nach der Predigt. Meist steht anstelle einer förmlichen ☞ Absolution eine allgemeinere Verheißung der Sündenvergebung.
Offertorium: a) Vorbereitung des Abendmahls in Form der Darbringung von Brot und Wein, ursprünglich mit dem diakonischen Naturalopfer verbunden;
b) Psalmgesang zur Abendmahlsvorbereitung bzw. zum Dankopfer
Oratio fidelium: eine alte Bezeichnung des "Allgemeinen Kirchengebetes"; in der Alten Kirche das Fürbittengebet nach Entlassung der Katechumenen, für die Kirche und ihre Glieder
Ordinarium (lat., "das Gewöhnliche"): a) die Gottesdienstordnung; b) die durch das Kirchenjahr hindurch gleich bleibenden Stücke
Osterkerze wird in der Osternacht entzündet und brennt in den Gottesdiensten bis zum Himmelfahrtstag (nach der Lesung) sowie bei Taufen und Gottesdiensten zu Amtshandlungen, die auf die Taufe bezogen sind.
Palla (lat., "Mantel"): leinene Abdeckung des Abendmahlskelches; heute meist quadratisch und mit einer Kartoneinlage verstärkt.
Paramente: textile Bekleidungen von liturgischen Amtsträgem und Gegenständen, z. T. in den ☞ liturgischen Farben. ☞ Antependium
Patene (lat., "Schüssel"): Hostienteller, Teller für das Abendmahlsbrot
Perikope (griech., "die herausgeschnittene [Lesung]"): biblischer Text als liturgische Lesung oder als Predigttext. Die Predigttexte finden sich im Perikopenbuch.
Postcommunio (lat., "nach dem Abendmahl"): das Dankgebet am Ende des Abendmahlsteils, auch "Schlusskollekte"
Postludium: lat., "Nachspiel"
Postsanctus: Abendmahlsgebet zwischen Sanctus und Einsetzungsworten
Preces: ☞ Wechselgebet,
Prädikant I in: ehrenamtliche(r) Mitarbeiter (in) mit dem Recht der freien Wortverkündigung, z. T. auch der Sakramentsverwaltung
Präfamen (lat., "Vorspruch"): kurze Einleitung als Hör- und Verständnishilfe vor einer liturgischen Lesung
Präfation (lat., "Vorspruch"): das "große Dankgebet" zu Beginn der Abendmahlsfeier, übergehend in das ☞ Sanctus
Präludium (lat., "Vorspiel")
Predigt (von lat. praedicatio, Aussage, Auszeichnung, Preisung). Die freie Wortverkündigung im Gottesdienst, meist unter Zugrundelegung eines Schriftwortes oder längeren Bibeltextes, gelegentlich auch eines Kirchenliedes oder liturgischen Stückes. Seit alter Zeit hat es auch die ganz freie, thematisierte liturgische Rede ohne vorgegebenen Text gegeben ("Sermon", von lat. "Rede"). Die evangelischen Kirchen in Deutschland haben eine Ordnung der Predigttexte, die sich im Perikopenbuch und im lutherischen Lektionar findet. Sie besteht aus sechs Jahresreihen und einigen Zusatztexten für jeden Sonn- und Feiertag. Die Predigt ist im Gottesdienst (neben dem Kirchenlied und anderer Kirchenmusik) ein Element christlicher Freiheit, nur dem Wort Gottes verpflichtet, zugleich aber auch ein Stück der Liturgie. Man sollte sich dieses Kontextes bewusst sein.
Proprium de tempore (lat., "das Besondere je nach der Zeit"): die im Kirchenjahr wechselnden Stücke des Gottesdienstes. Kurzbezeichnungen: Proprium oder De tempore.
Prozession (lat., "Hinzug", nämlich zum Gottesdienst): eigentlich ein "Umzug", ohne festes Ziel. Der Umzug ist selber Gottesdienst. Zu unterscheiden von der Wallfahrt ("Hinzug" im eigentlichen Sinne, lat. peregrinatio), die auf ein Ziel, einen bestimmten Ort oder ein Heiligtum, gerichtet ist. Prozessionen konnten sich seit dem 4. Jahrhundert ausbilden, nachdem das Christentum offiziell anerkannt war und öffentlich vollzogen werden konnte. Entgegen verbreitetem Vorurteil hat auch der protestantische Gottesdienst Raum für Prozessionen, also für Bewegung. Vertrauteste Form der Prozession ist wohl der Gang zum Abendmahlsempfang. ☞ Tanz, liturgischer.
Psalmodie (griech., "Psalmgesang"): Dafür haben sich im Mittelalter Rezitationsmodelle entwickelt ("Psalmtöne").
Psalmkollekte: einen Psalm zusammenfassendes und abschließendes Gebet
Pyxis: Dose zur Aufbewahrung der Hostien für die Abendmahlsfeier, ursprünglich nur für die Hostien zur Krankenkommunion im Gebrauch, später häufig aus edlem Metall gefertigtes und reich verziertes Gefäß als Aufbewahrungsort für die bei der Kommunion übriggebliebenen Hostien verwendet
Rakmenvers: ☞ Antiphon.
responsorial (lat., "antwortend"): Ausführung eines Gesanges im Wechsel von Vorsänger und Chor bzw. Liturg/in und Gemeinde, ☞ antiphonal.
Retabel: ☞ Altar.
Ritual, Ritus: Der Primärbegriff Ritus hängt vermutlich mit dem griechischen Wort arithmos – Zahl zusammen und bezeichnet lateinisch den geordneten, traditionellen, vorgeschriebenen Ablauf sowohl religiös-kultischer wie profaner Handlungen. Im Mittelalter verstand man darunter die regional verschiedenen Traditionen und Variationen christlicher Liturgie (auch in den verschiedenen Mönchsorden). Ritus ist also ein Unterscheidungsbegriff. Demgegenüber ist rituale zunächst ein Adjektiv. Es bezeichnet dann das Buch, in dem Riten aufgezeichnet sind, ist also die schriftliche Fixierung des Ritus (☞ Agende). In der neueren Religionswissenschaft, Soziologie und Psychologie wird "Ritual" – ähnlich wie früher "Ritus" – zur Bezeichnung einer wiederholten Handlung verwendet, deren vorschriftsmäßiger Ablauf ihre Wirksamkeit gewährleisten soll. Ritual und Ritus werden damit weitgehend synonym. Rituale (Riten) helfen dem Menschen insbesondere zur Bewältigung emotionaler und existenzieller Krisen (rites des passages = "Übergangsriten" [Adriaan van Gennep]): Taufe, Konfirmation, Trauung, Beerdigung.
Rüstgebet: älterer lutherischer Name für das Vorbereitungsgebet vor der Messe bzw. dem Hauptgottesdienst; im Kem: Sündenbekenntnis oder Bitte um gesegnete Gottesdienstteilnahme. Da früher an den Stufen zum Altar gebetet, hieß es in der älteren Liturgik auch Stufenoder Staffelgebet. Katholisch heute "Allgemeines Sündenbekenntnis". In der unierten Liturgietradition wird das Vorbereitungsgebet mit dem Kyrle verbunden und zu einem das Gloria einleitenden ☞ Gnadenspruch bzw. einer "Gnadenzusage" in Beziehung gesetzt.
Sakrament (lat., "Kaution", "Eid"): seit Ter-tullian (um 200 n. Ohr.) als Übersetzung des griechischen Wortes mysterion Bezeichnung heiliger Handlungen, z. T. auch Geräte. Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente (Taufe und Abendmahl, Firmung, Beichte, Ehe, Krankensalbung, Priesterweihe) und daneben eine Reihe von "Sakramentalien" (Benediktionen, Segnungen). Nach evangelischer Auffassung sind nur Taufe und Abendmahl Sakramente, weil sie ein äußeres Zeichen haben, das im Glauben gedeutet wird, und weil sie von Jesus Christus selbst eingesetzt sind.
Sakristei (lat., "Heiligtum", weil dort bis ins hohe Mittelalter die konsekrierten ☞ Hostien [☞ Konsekration] als das ,Allerheiligste“ aufbewahrt wurden, bis diese im Tabernakel [Sakramentsschrein] einen Platz im Chorraum erhielten): ein liturgischer Nebenraum einerseits zur Aufbewahrung der ☞ vasa sacra und der ☞ Paramente, andrerseits zum Aufenthalt der liturgisch Amtierenden vor, nach und z. T. auch zwischen ihren Handlungen. Hier bereiten sie sich innerlich und äußerlich, einzeln und gemeinsam auf den Gottesdienst vor und ziehen, wenn sie zu mehreren sind, von hier aus in die Kirche ein (Prozession). Die Sakristei hat sich aus den altkirchlichen "Pastophorien" entwickelt, Nischen hinter dem Altar zur Ablage der Dankopfergaben. Sie fand sich im frühen Mittelalter oft neben dem Haupteingang, ermöglichte so also den Einzug des Klerus durch das Kirchenschiff, später jedoch neben dem Chorraum (meist südlich davon).
Salutatio (lat., "Gruß"): Wechselgruß zwischen Liturg/Liturgin und Gemeinde, z. B. "Der Herr sei mit euch" – "und mit deinem Geist"
Sanctus (lat, "heilig"): der auf die ☞ Prä-fation folgende Chor- oder Gemeindegesang des "Heilig, heilig, heilig" (nach Jesaja 6,3), der seit langem zumeist mit dem "Hosianna in der Höhe" (Osanna in excelsis) und "Gelobt sei, der da kommt" (Benedictas qui venit) in der Verbindung von Markus 11,9 gesungen wird
Schola: liturgischer einstimmiger Chor, früher meist von der Lateinschule (lat. schola) gestellt
Segen, Segenswort: In einer vom Wort begleiteten Handlung werden Menschen dem Schutz und Geleit Gottes anbefohlen. Das geschieht nach alter Tradition unter Handaufhebung oder – individuell – Handauflegung und mit einem Kreuzzeichen. Biblisches Vorbild ist der Aaronssegen (4. Mose 6, 24), den Luther in den evangelischen Gottesdienst einführte. Seit dem Mittelalter kennt man den trinitarischen Segen, der ebenfalls auf den Aaronssegen als biblische Wurzel zurückgeht. Beiden ist gemeinsam, dass in Wunschform auf Gott als Segnenden verwiesen ist. Also nicht: "Ich segne dich", sondern "Der Herr segne dich". Am Ende eines Gottesdienstes geleitet der Segen die Gemeinde als Zuspruch und Anspruch hinaus in den Alltag der Welt. Als "Segenswort" bezeichnet man einen Zuspruch, der nicht so sehr durch seine Form, wohl aber inhaltlich Segen verheißt.
Sendung: der Schlussteil des Gottesdienstes. Als Summe und Konsequenz von Evangeliumsverkündigung und Abendmahlsgemeinschaft wird die Gemeinde nun hinausgesandt in Zeugnis und Dienst. Auf Sendung und Segen, Zuspruch und Anspruch antwortet die Go-meinde mit Lobpreis und Dank. Das schließt neben dem Vertrauen auf Gottes barmherziges Geleit auch die Übernahme einer Verpflichtung für den "Gottesdienst im Alltag der Welt" ein.
Stola: kann in der Antike sowohl ein Gewand als auch ein Amtsabzeichen (ursprünglich als eine Art Taschentuch) bezeichnen. Wird in Form eines Schals (in der römisch-katholischen Hierarchie vom Diakon an aufwärts, doch verschiedenartig umgelegt) um den Hals getragen und ist in den liturgischen Farben gehalten, zuweilen auch mit Ornamenten und Symbolen bestickt. Eine Stola sollte bei mehreren liturgischen Ämtern nur vom Abendmahlsliturgen bzw. der Abendmahlsliturgin getragen werden.
Stufengebet: ☞ Rüstgebet
substitutiv (lat., "ersetzend"): Ausführung eines liturgischen Stückes durch eine andere als die gewöhnlich zuständige Gruppe, oft auch in anderer Form; Beispiel: Ersetzung des Chor-Gloria durch das Gloria-Lied der Gemeinde; ☞ additiv; alternatim.
Sündenbekenntnis: ☞ Confiteor.
Symbol: "Sinnzeichen des Glaubens" (Chr. Rietschel). Symbole repräsentieren einen bestimmten Bedeutungsgehalt und/oder eine verborgene Wirklichkeit. Beispiel: das Kreuz. Es erinnert (mit und ohne ausdrückliche Darstellung des Gekreuzigten) an das Sterben Christi am Kreuz und proklamiert damit zugleich die Gegenwart des Gekreuzigten. Weil aber dessen Gegenwart seine Auferstehung voraussetzt, proklamiert das Kreuz zugleich den Auferstandenen. Damit korrespondiert übrigens, dass das Kreuz in der Antike ein Herrschaftszeichen war. Vgl. auch: Symbole, liturgische Farben in der Einführung "Zur Feier des Gottesdienstes" (S. 29 f.).
Tanz, liturgischer: In neuerer Zeit entdecken Christen den Tanz im Gottesdienst neben anderen Formen liturgischer Bewegung wie ☞ Prozession und Gebärde neu. Er war und ist in den Religionen weit verbreitet. Auch die christliche Kirche kannte ihn durch Jahrhunderte. An alte liturgische Choreographien (Tanzgestaltungen) erinnert etwa das Labyrinth vor dem Altar der Kathedrale von Chartre. "Biblischer Tanz" versucht, Inhalte und Bedeutungen biblischer Texte durch Bewegung auszudrücken. Andere Formen versinnbildlichen die Symbolik liturgischer Vollzüge oder die innere Situation des Menschen und seine Betroffenheit durch die Botschaft der Bibel.
Tedeum (lat., "Dich, Gott, loben wir"): Hymnus älteren Typs (also nicht in fester Strophenmetrik), der bis in die Alte Kirche zurückreicht. Im Hauptgottesdienst kann das Tedeum anstelle des Credo oder am Schluss des Gottesdienstes gesungen werden, Luthers gereimte Verdeutschung findet sich im EG unter Nr. 191.
Tractus (lat., "langgezogen" oder "hingezogen"): Psalmgesang der Fastenzeit (anstelle des Halleluja)
Tropus: Textunterlegung eines gregorianischen Gesangs, dann auch textliche und musikalische Erweiterung desselben.
Tunika, Tunizella: ☞ Albe
Vasa sacra (lat., "heilige Gefäße"): die Abendmahlsgeräte
Velum (lat., "Tuch", "Segel", von velare = verhüllen): Seidentuch zur Verhüllung von Patene und Kelch
Versikel (lat., "Verslein"): kurzer Wechselgesang von Liturg/in und Gemeinde auf das gleiche (einfache) Tonmodell
Vigil (lat., Nachtwache“): a) ursprünglich Name der nächtlichen Stundengottesdienste in den Klöstern; b) Vorfeier eines Festes am Vortag; c) ein nächtlicher Gottesdienst vor einem hohen Fest, z. B. am Heiligen Abend, in einer bestimmten liturgischen Form
Votum (lat., Gelübde, Wunsch, Bitte, auch: Meinung, Gutachten, Wahlstimme): ein kurzer Spruch als (Segens-)Wunsch oder auch indikativisch als eine Art Devise oder Losung. Spezielle Arten des Votums sind: a) das biblische, b) das trinitarische, c) das Segensvotum, d) das votum postbaptismale ("Votum nach der Taufe"), der dem Taufakt unmittelbar folgende Segenswunsch.
Wechselgebet: Die Form 3 des Fürbittengebets, bei der kurze Aussagen und Bitten im Wechsel vorgetragen werden.
Wochenlied: Das jedem Sonn- oder Feiertag besonders zugewiesene Lied (angegeben z. B. im Proprium des Evangelischen Gottesdienstbuchs). Es wird traditionell zwischen Epistel und Evangelium gesungen, kann aber auch an anderen Stellen der Liturgie seinen Platz finden (siehe die Grundformen im Evangelischen Gottesdienstbuch). Dieses Lied gilt als Hauptlied für die nächste Woche. Lieder zu Festen, die nicht auf einen Sonntag fallen, bestimmen aber nicht eine ganze Woche; sie heißen deshalb "Lied des Tages". Der Zyklus der Wochenlieder wurde seit nachreformatorischer Zeit zunächst innerhalb der evangelischen Kirchenmusik ausgebildet und bis in die Gegenwart immer wieder revidiert und aktualisiert, in neuerer Zeit durch den Verband evangelischer Kirchenchöre. Ältere Bezeichnungen: u. a. "Hauptlied", "Graduallied".
Wochenspruch: Einleitendes biblisches Votum im Gottesdienst nach Grundform II, nach dem Kirchenjahr wechselnde Bibelsprüche, die für den jeweiligen Sonn- oder Feiertag Mottocharakter haben (im Evangelischen Gottesdienstbuch zu finden im "Proprium"). Der Wochenspruch findet auch in Gottesdiensten nach Grundform I vielfach regelmäßige Erwähnung, etwa in Begrüßungen, Abkündigungen oder als Sendungswort, weil er als Motto für die beginnende Woche (daher der Name) angesehen wird.